NOE Schaltechnik, 06.04.2011
URL:http://www.noe.de/zahme-gera.html
Titel:Zahme Gera

Copyright © 2011 NOE-Schaltechnik Georg Meyer-Keller GmbH + Co. KG
 
  Startseite  
  AGB  
  FVBS  
  GSV  
  Links  
  Kontakt  
  Sitemap  
  Impressum  
  Intern  
  Druckversion  
 
 
NOE

Der Erfolg braucht Erfahrung

Schreitschalung als Weltneuheit beim Bau der „Talbrücke Zahme Gera“

Mit der NOE-Schreitschalung setzt die Adam Hörnig Baugesellschaft beim Bau Y-förmiger Brückenpfeiler eine Weltneu­heit ein. Wechsel­seitig schreiten die Schalungs­bühnen in der Schräge nach oben, so dass jeweils ein Teil der Schreit­schalung sicher mit dem Bauwerk ver­bunden ist.

Eine architektonische Besonderheit bietet die „Talbrücke Zahme Gera“ mit ihren Y-förmigen Pfeilern, wie sie in diesen Ab­messungen welt­weit noch nicht gebaut wur­den. Sechs dieser bis zu 60 m hohen Pfeiler tragen die zwei ge­trenn­ten Überbauten und werden biegesteif an diese angeschlossen. Und speziell für den Bau der unter einem Winkel von 60° auf­gehenden Pfeileräste des Ypsilons konstruier­ten die Schalungs­techniker von NOE in Zusam­men­­arbeit mit der Adam Hörnig Baugesellschaft auch eine Weltneuheit - die Schreitschalung.

Die Schreitschalung

Das Konzept dieser Schreitschalung baut auf dem Prinzip des Parallelogramms auf, in des­sen Diagonale Hydraulikzylinder für die Schreit­bewegungen, also fürs Vorwärts­kommen sorgen: Ausgehend von der Grund­stellung, in der beide Bühnen auf einer Ebene am Bauwerk verankert sind, wird nach dem Lösen der Verankerungen durch das Aus­fahren der Hydraulikzylinder eine Bühne nach oben gedrückt und in der neuen Lage wieder am Bauwerk verankert. Mit dem Einfahren der Hydraulikzylinder zieht sich die zweite Bühne nach oben, um ebenfalls am Bauwerk ver­ankert zu werden. Es ist  also immer eine Seite des Kletter- bzw. Schreitgerüstes fest mit dem Bauwerk verbunden; ein nicht uner­heblicher Sicherheitsaspekt. Rund eine bis eineinhalb Stunden dauert ein kompletter Schreitvorgang, der nächste Betoniertakt mit 1,50 m kann dann mit dem Ausrichten und Einstellen der auf den Bühnen transportierten Schalung angegangen werden. Auf Gleit­schienen ist die geteilte Schalung horizontal verschiebbar, der Anschluss an den Vorgänger­takt logischerweise problemlos. Über Spindeln läßt sich zusätzlich die Neigung einstellen oder korrigieren. Der Clou ist außerdem, dass die Spur, die Befestigungsanker an der Stirn­seite des Bauwerkes, immer konstant zur Mittel­achse der Pfeiler verlaufen. Bezugspunkt für die Verstellung der Schalung ist nicht die Bauwerkskante, sondern die Symmetrieachse der Pfeiler.
Als absolute Neuheit auf dem Gebiet der selbst­kletternden Gerüste haben die NOE Schalungs­techniker die Schreitschalung spe­ziell für den Bau der Y-förmigen Pfeiler bzw. der Pfeileräste konzipiert; grundsätzlich läßt sich die Schreitschalung aber auch bei ande­ren, ähnlich gearteten Bauvorhaben ein­setzen. Jede gängige Kletterschalung wäre für einen Einsatz dieser Art zu auf­wändig und zu schwer in der Konstruktion, d. h. viel zu teuer. Nicht zuletzt diese Tat­sache war für Dipl.-Ing. Fritz Tiarks, Niederlassungs­leiter der Adam Hörnig Baugesell­schaft im thüringischen Weimar, der Grund, sich für NOE und damit für die Schreitschalung zu entscheiden.

Die Baustelle

Den Forderungen des Natur- und Landschafts­schutzes wurde bei der Projek­tierung der A 71 Erfurt – Schweinfurt in beson­derer Weise Rech­nung getragen: Über­wiegend unter Tage verläuft die Kamm­querung des Thüringer Wal­des,  sieben Tunnel mit insgesamt 14,8 km und dem Rennsteig­tunnel (7,9 km) als längs­tem Einzelbau­werk führen die A 71 durch den Berg. Trotzdem kommen noch 132 Brücken­bau­werke hinzu, davon 44 große Tal­brücken, allein 14 dieser Brücken haben eine Länge von mehr als 500 m. Eine davon ist die Talbrücke „Zahme Gera“ mit ihren außer­gewöhn­lichen Y-förmigen Pfeilern, ge­baut von der Thüringer Niederlassung der Adam Hörnig Baugesellschaft.
Die Unterstützungsbauwerke wie Widerlager und Y-förmige Pfeiler werden mit NOE-Scha­lungen ausgeführt, die zwei getrennten Über­bauten sind  als Waagebalken im Freivor­bau geplant: Vierfeldrige, längs vorge­spannte und gevoutete Durchlaufträger mit einzelligem Hohlkastenquerschnitt mit einer gesamten Stützweite von 520 m (115 + 145 + 145 +  115 m).
Im Bauzustand sind die Pfeiler, gegründet auf Großbohrpfählen  Ø 1,20 m mit Pfahlkopfplatte, abgespannt und durch Erd­anker ge­sichert. Der Pfeilerschaft ist ein begehbares Hohlprofil, die Gabeläste wer­den als Vollquer­schnitt massiv ausgeführt. Für den Pfeiler-Knoten war ebenfalls eine Sonderschalung notwendig: Die gerundeten Übergänge stirn­seitig mit der NOE-Ringgurt­schalung, einge­stellt auf einen Radius von 8,0 m; die Seiten­schalung aus H-20-Trägerelementen. In max. sechs Takten schalt man die Pfeilerschäfte mit Schalungshöhen von 5, 40 m; äußere Sichtschalung als H-20-Trägerschalung, innen eine Rahmenschalung NOE Top 2000, durch Ausgleichshölzer mit der Trägerschalung ver­spannt. Die Schäfte verjüngen sich im Ver­hältnis 70:1, Längs- und Stirnschalung laufen außen übereinander, so dass man ohne Pass­elemente auskommt; innen reduziert man den Querschnitt durch den Einbau kleinerer Ele­mente aus der Top 2000-Reihe. Den sicheren Arbeitsplatz garantieren NOE Arbeitsbühnen AB 300 mit Außenecken.
Mit der Schreitschalung geht es ab der Gabe­lung in Richtung Überbau. Zwei Normal­takte pro Woche und Ast, vier Takte insgesamt, sind auf dieser Baustelle die Regel; mit zwei Schreit­schalungen wird parallel geklettert und wechselseitig betoniert, um den Y-Pfeiler im Gleichgewicht zu halten. Verspannungen in den Drittelspunkten der auseinander lau­fenden Äste verhindern über­große Biege­spannungen im Bauzu­stand, bevor die Äste dann in den Überbau einbinden. Die Astbreite verjüngt sich von der Gabelung bis zum Ast­ende von 2,50 m auf 2,00 m. Bis unter den Überbau sind es jeweils 13 Abschnitte mit Takten von 1,50 m, die jeweils mit 8 Mann, vier auf jeder Scha­lung, in ca. 8 bis 9 Wochen zu betonieren sind.
Vormontage war auch beim Bau der Wider­lager angesagt. Die schalungstechnische Herausforde­rung liegt sowohl in der schieren Größe als auch in der Neigung der Vorder­seite: „Man kann es sich nicht mehr leisten, auf der Baustelle das Vorfertigen anzufangen; dafür ist keine Zeit mehr da“, meint Dipl.-Ing. Fritz Tiarks von der Adam Hörnig Baugesell­schaft in Weimar. Mit einer Höhe von 11,10 m hat man bei NOE die Schalung der Flügelaußen­seiten vormontiert und mit verti­kaler Brettschalung belegt; 670 m² wurden vorgehalten, davon 250 m² vormontiert ge­liefert.
Baubeginn für die Talbrücke Zahme Gera, im Rahmen des Verkehrsprojektes Deutsche Ein­heit A 71 Erfurt – Schweinfurt der DEGES, war Anfang Dezember 1999, die voraussicht­liche Baufertigstellung ist für den September 2002 geplant.

Weltneuheit: Für den Bau der unter einem Winkel von 60 ° aufgehenden Pfeileräste konstruier­ten die Schalungstechniker von NOE die Schreit­schalung. (Foto: Andreas Beier, Adam Hörnig Baugesellschaft)

Das Konzept der Schreitschalung baut auf dem Prinzip des Parallelogramms auf, in des­sen Diagonale Hydraulikzylinder für die Schreit­­bewegungen sorgen.

Mit zwei Schreitschalungen wird parallel ge­klettert und wechselseitig betoniert, um den Y-Pfeiler im Gleich­gewicht zu halten. (Foto: Andreas Beier, Adam Hörnig Baugesellschaft)

Auf Gleitschienen ist die geteilte Schalung horizontal verschiebbar, der Anschluss an den Vorgängertakt logischerweise problem­los. Über Spindeln läßt sich zusätzlich die Neigung einstellen oder korrigieren.

Pfeilerschäfte in Sichtbeton mit Schalungs­höhen von 5,40 m. Den sicheren Arbeits­platz garantieren NOE Arbeitsbühnen AB 300 mit Außen­ecken.