Tunnel Gibbelin, Solothurn
Schnell montierter Selbstfahrer
Tunnelbau mit Schalwagen aus NOEtec
In einem werden sich die Baustellen im Ingenieurbau immer ähnlicher: Enge Termine, immer kürzere Bauzeiten und die äußerst knappe Preiskalkulation. Daraus folgt die Forderung nach einer exakt auf die Baumaßnahme abgestimmten Schalung. Auf der Baustelle „Solothurn, Entlastung West“ in der Schweiz war es auch beim Bau des Tunnels „Gibelin“ nicht anders. Mit der neuen NOEtec in kürzester Zeit montierte Schalwagen erfüllten die Vorgaben zu hundert Prozent.
Ein Schwergewicht in Form eines im Tagebau erstellten Tunnels
dominiert die Ortsumfahrung von Solothurn. Geologisch gesehen liegt
der Tunnel im nacheiszeitlichen Solothurner See, also auf oder in
einem sehr weichen und setzungsempfindlichen Baugrund in
unmittelbarer Nähe der Aare. Die Arge ATG, technische Leitung und
Federführung durch die Frutiger AG, baute das Los 3 mit dem
350 m langen Tagebautunnel. Konzipiert als
Schwergewichtstunnel bekam das Kunstbauwerk gegen den Auftrieb
durch drückendes Grundwasser zusätzlich beidseitige Seitensporne
von je 1,20 m Breite. Das Eigengewicht des Tunnels und die
Überschüttung gewährleisten die Auftriebssicherung und sorgen
dafür, dass der Tunnel nicht im Grundwasser
aufschwimmt.
Die Baugrube war bei diesen Bodenverhältnissen eine Geschichte für
sich, insgesamt wurden 27.000 m² Spundwand eingebracht und auch das
Einvibrieren der maximal bis zu 31,5 m langen Spundbohlen war
für die Arge eine Herausforderung. Wegen der etwas „sehr weichen“
Bodenverhältnisse mit Verlandungssedimenten konnten die Spundwände
nicht rückverankert werden, die inklusive der Rampen 520 m lange
Baugrube musste daher von Anfang an mit Rohrsprießen auf voller
Länge ausgesteift werden. Vier Querschotts erleichterten die
Wasserhaltung, die auf fünf Abschnitten unabhängig voneinander in
geschlossener Form mittels Kleinfilterbrunnen betrieben wurde.
Monolithische Bauweise
Nach dem Einbringen der 1,10 m starken Betonsohle war der
Tunnelaufbau dran, der in monolithischer Bauweise Wände und Decke
in einem Guss vorsah. Mit sieben Metern Höhe und einer Länge von
gut 10 Metern deckten zwei nebeneinander laufende Schalwagen den
Tunnelquerschnitt mit einer lichten Weite von 11,35 Meter ab.
Träger, Streben, Verbindungsschlösser und Bolzen – das sind die
dominierenden Teile des Schalwagens aus dem Baukastensystem von
NOEtec. Die Stahlkonstruktion wird ohne große Schrauberei
blitzschnell verbolzt, eingelegte H 20-Träger machen die
Schalung fertig für den Schalbelag. Ein äußerst flexibles System,
bei dem die Stahlträger die statische Funktion übernehmen und in
die Lochung der Stahlträger eingeschobene H 20-Holzträger als
Belagträger fungieren. Mit seinen wenigen und einfach zu
handhabenden Teilen sind die Schalwagen genau so schnell aufgebaut
wie umgesetzt. Ein Riesenvorteil dieses Schalsystems NOEtec: Wand-
und Deckenschalung des Tunnelquerschnittes sowie das tragende
Gerüst werden aus einem System gebaut. Und „nebenbei“ verblüfft der
Stahlträger, in den die H 20-Holzträger eingeschoben und
verkeilt werden, mit einer sagenhaften Stabilität und mit
Leistungswerten, die einem IPE 300 gleichkommen. Zusammen mit einem
von NOE-Schaltechnik gestellten Richtmeister montierten drei Mann
der Arge die Schalwagen in kürzester Zeit.
Über eine Hydraulik wird der Schalwagen angehoben oder abgesenkt,
die Seitenwände mit Spindeln nach innen gezogen, so kommt die
Schalung vom Beton frei. Mit Elektromotoren versehene Fahrwerke
verleihen dem Schalwagen auf Schienen die erforderliche
Beweglichkeit, um die Taktwege aus eigener Kraft zurücklegen zu
können und schnelle Taktzeiten zu erreichen. Mit zwei
Nachlaufwagen, ebenfalls aus dem System NOEtec gebaut, realisierte
die Bauleitung Taktzeiten von zwei Betonierabschnitten á 10 Meter,
also 20 Meter Tunnel pro Sechs-Tage-Woche. Nach dem Absenken und
Ausfahren der Schalwagen wurden die schmäleren und noch
beweglicheren Nachlaufwagen als Notunterstützung unter die frisch
betonierten und noch nicht voll tragfähigen Abschnitte gestellt und
die Taktzeiten damit auf ein Minimum reduziert.
- Bauherr:
Amt für Verkehr und Tiefbau des Kantons Solothurn AVT - Arbeitsgemeinschaft ATG:
Frutiger AG, Thun
Sutter AG, Hellsau
König AG, Langenthal
Galli AG, Solothurn - Projektverfasser und örtliche
Bauleitung:
IG Leporello: Gruner AG, Basel
Fürst Laffranci, Wolfwil





