
Rund 100 Millionen Euro investiert Barmenia in die neuen Räumlichkeiten.
Die Bauzeit für das Gesamtprojekt beträgt ca. 40 Monate.
Stützenfreie NOE Deckentische überzeugen bei der
Erweiterung der Barmenia Hauptverwaltung, Wuppertal
Hängende Konstruktionen sind kein Privileg der Neuzeit, sie waren schon
im Altertum bekannt, siehe Babylon. Was jedoch die Schalungstechniker der
NOE-Schaltechnik, Süssen, zusammen mit der NOE Niederlassung Düsseldorf für die
neue Hauptverwaltung der Barmenia Krankenversicherung a. G. in Wuppertal
austüftelten, ist zumindest in Europa einzigartig: In ein Stahlskelett, das den
Altbestand überbaut, werden Fischbauchdecken für weitere sieben Geschosse mit
Hilfe einer abgehängten Deckenschalung stützenfrei betoniert! Mit einer
technisch kreativen Lösung überzeugte NOE-Schaltechnik die Verantwortlichen der
Köster Bau AG in Osnabrück: Mit einer hängenden
Deckentisch-Konstruktion.
In den bautechnisch anspruchsvollen Wuppertaler Hanglagen treten die Köster
Bau AG sowie der Schalungshersteller bzw. Schalungslieferant NOE-Schaltechnik,
Niederlassung Düsseldorf, den Beweis an, dass mit gezieltem Einsatz von
Systemteilen in Verbindung mit ausgetüftelter Terminplanung bzw.
Arbeitsvorbereitung selbst die schwierigsten Bau- und Schalungsaufgaben
wirtschaftlich und im vorgegeben Zeitrahmen zu lösen sind.
Im Zuge des
Bauvorhabens „Erweiterung, Umbau und Sanierung der Hauptverwaltung Barmenia
Versicherungen in Wuppertal“ wird auf dem Gelände der Versicherung ein neuer
Baukörper errichtet. Das Haus 1 und das Parkhaus werden abgebrochen, das Haus 3
sowie das Parkhaus 2 bleiben erhalten. Der neue Baukörper wird zum Teil an
Stelle von Haus 1 errichtet, das Haus 3 wird zum Teil vom neuen Haus überbaut.
So nüchtern liest sich die Ausschreibung. Im Wesentlichen stellt sich der Neubau
als Stahlbeton- bzw. Stahlskelettkonstruktion mit aussteifenden Stahlbetonkernen
in Form von Treppenhäusern und Aufzugschächten dar. Und der Überbau des alten,
dreigeschossigen Flachbaues ist in seiner statischen Grundkonzeption ein
Stahlskelett, das in der Folge eine etwas außergewöhnliche Deckenschalung
notwendig machte.
Die Decke bestimmt den Bauablauf
Das Stahlskelett überbaut die drei Geschosse des mit einem Flachdach
versehenen alten Verwaltungsbaues mit vier zusätzlichen Geschossen auf eine
Länge von rd. 40 m bei einer Breite von rd. 17 m. Im Anschluss schließt
bergwärts ein Betonskelett mit den gleichen Abmessungen an, um der neuen
Verwaltung noch mehr Raum zu bieten. Hier geben Beton-Fertigteilstützen und
Fischbauchförmige Ortbetondecken in konventioneller Bauweise, mit Klappstützen
statt Aufhängung, das Pendant zum spektakulären Überbau aus Stahl.
Warum
aber diese außergewöhnliche Verbundkonstruktion aus Fischbauchträgern im
Stahlskelett und Ortbetondecken? Knackpunkt ist das generelle Belastungsverbot
des Altbaues aus statischen Gründen. Aber auch für die Fischbauchträger war eine
Maximalbelastung vorgegeben, die nicht überschritten werden durfte. Also konnten
auch keine Zwischenböden für eine herkömmlich unterstützte Deckenschalung
aufgelagert werden. Es blieb nur die Möglichkeit einer hängenden Konstruktion:
Die Schalung also unter die Fischbauchträger gehängt und über einen Trägerrost
nach oben „gebunden“ – so einfach hört es sich im Stenogramm an!
Am NOE Combi 20 Träger hängen Decke und Verantwortung
Im Stahlskelett stellen Fischbauchträger mit einer Spannweite von rd. 16 m
und einer Überhöhung von 6 cm den Verbund mit der Ortbetondecke her und steifen
gleichzeitig das Stahlskelett über die Ortbetonkerne aus; durch die seitlichen
Öffnungen des Stahlskeletts werden mit einer Umsetzgabel die Schalelemente
eingefahren. Ein unter den Fischbauchträgern mit Spannankern abgehängter
Trägerrost nimmt die Schaltische auf. Rand- und Mitteltische übernehmen die
Hauptlasten, direkt vor den Stahl-Vertikalen positionierte Ein- respektive
Ausschaltische ergänzen den Querschnitt. Die Ein-/Ausschaltische werden zuerst
positioniert, dann die Mittel- und Randtische eingeschoben. Ausgeschalt wird in
umgekehrter Reihenfolge. Teflonlager auf dem Trägerrost ermöglichen das leichte
Verschieben der bis zu 1,2 t schweren Schaleinheiten. Um den Tischen eine
Führung zu geben und auch theoretisch jedes Verrutschen auszuschließen, kam die
verstellbare Zugspindel aus der Aufzugsschachtschalung zum Zug, pro Tisch und
Seite je eine Spindel.
Pro Tisch sind es fünf Querträger, die über
Ankerstäbe die „Fahrbahn“ für die Schaltische nach oben hängen. Paarweise nehmen
über den Fischbauträgern die quer zur Trägerachse auf dem Obergurt liegenden NOE
Combi 20 Träger die Lasten über die Ankerstäbe auf. Um die bauchige Form der
Schalung (r = 49 m), die in den Auflagerbereichen gegen Null ausläuft, auf den
Millimeter genau hinzubekommen, ließ man sowohl die Form gebenden Spanten als
auch die Schalhaut von einem Spezialbetrieb, der Enders-Schaltechnik im
thüringischen Königsee, auf CNC-gesteuerten Fräsen zuschneiden und schickte die
Schalungskisten solchermaßen vormontiert auf die Baustelle, wo sie mit den
Schaltischen zu fertigen Schaleinheiten (rd. 7,23 m x 3,0 m) verbunden wurden.
Zum Ausschalen werden die Spannanker abgespindelt, so dass die Tische vom
Beton freikommen und anschließend nach außen gezogen werden können. Auf den
Teflon-Lagern lassen sich die Schaltische ganz einfach von Hand auf ihrer
Verschubbahn nach außen bewegen, um dann vom Kran per Umsetzgabel aufgenommen zu
werden. Und darüber waren sich die Verantwortlichen, Niederlassungsleiter
Dipl.-Ing. Volker Machalett für die Idee und Dipl.-Ing. Dietmar Kieß für die
technische Ausarbeitung, schon in der Planungsphase einig: Mit ganz geringen
Ausnahmen, z. B. die Teflonplatten (PTFE), kommen auch für diese Deckenschalung
nur mietbare Standardteile aus dem NOE Baukasten zum Einsatz.
Mit dieser
genau so intelligenten wie pfiffigen Deckenschalung lässt sich ein partielles
Problem des Bauvorhabens „Erweiterung, Umbau und Sanierung der Hauptverwaltung
Barmenia Versicherungen in Wuppertal“ auf elegante Weise lösen. In nur 13
Arbeitstagen stellt die Köster-Truppe unter der Leitung von Bauleiter Dipl.-Ing.
Bert-Jan Wullink und den Polieren Stefan Arndt und Heinz-Josef Karrasch ein
Geschoss mit knapp 1.300 m² fertig. Die reine Schalzeit für die Decke liegt
trotz dieser Sonderkonstruktion bei ca. 0,25 bis 0,30 h/m², in nur 3,5 Tagen ist
die ganze Decke eingeschalt. Bis ca. Juni 2005 soll dieser erste und wichtigste
Bauabschnitt im Rohbau fertig sein.


Ein unter den Fischbauchträgern mit Spannankern abgehängter Trägerrost
nimmt die Schaltische auf, die von beiden Seiten eingefahren werden.

Die Schaleinheiten mit rund 23 m² Schalfläche und einem Gewicht von rd.
1,2 t werden auf dem Trägerrost nach außen gezogen und mittels Umsetzgabel vom
Kran aufgenommen.

Zum Ausschalen werden die Spannanker abgespindelt, so dass die Tische vom
Beton freikommen und nach außen gezogen werden können.

In nur 13 Arbeitstagen stellt die Köster-Truppe unter der Leitung von
Bauleiter Dipl.-Ing. Bert-Jan Wullink und den Polieren Stefan Arndt und
Heinz-Josef Karrasch ein Geschoss mit knapp 1.300 m² fertig.

Rund 100 Millionen Euro investiert Barmenia in die neuen Räumlichkeiten.
Die Bauzeit für das Gesamtprojekt beträgt ca. 40 Monate.