NOE Schaltechnik, 06.04.2011
URL:http://www.noe.de/barmenia-wuppertal.html
Titel:Barmenia Wuppertal

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Hängende Deckenschalung

Rund 100 Millionen Euro investiert Barmenia in die neuen Räumlichkeiten. Die Bauzeit für das Gesamtprojekt beträgt ca. 40 Monate.

Stützenfreie NOE Deckentische überzeugen bei der Erweiterung der Barmenia Hauptverwaltung, Wuppertal

Hängende Konstruktionen sind kein Privileg der Neuzeit, sie waren schon im Altertum bekannt, siehe Babylon. Was jedoch die Schalungstechniker der NOE-Schaltechnik, Süssen, zusammen mit der NOE Niederlassung Düsseldorf für die neue Hauptverwaltung der Barmenia Krankenversicherung a. G. in Wuppertal austüftelten, ist zumindest in Europa einzigartig: In ein Stahlskelett, das den Altbestand überbaut, werden Fischbauchdecken für weitere sieben Geschosse mit Hilfe einer abgehängten Deckenschalung stützenfrei betoniert! Mit einer technisch kreativen Lösung überzeugte NOE-Schaltechnik die Verantwortlichen der Köster Bau AG in Osnabrück: Mit einer hängenden Deckentisch-Konstruktion.

In den bautechnisch anspruchsvollen Wuppertaler Hanglagen treten die Köster Bau AG sowie der Schalungshersteller bzw. Schalungslieferant NOE-Schaltechnik, Niederlassung Düsseldorf, den Beweis an, dass mit gezieltem Einsatz von Systemteilen in Verbindung mit ausgetüftelter Terminplanung bzw. Arbeitsvorbereitung selbst die schwierigsten Bau- und Schalungsaufgaben wirtschaftlich und im vorgegeben Zeitrahmen zu lösen sind.
Im Zuge des Bauvorhabens „Erweiterung, Umbau und Sanierung der Hauptverwaltung Barmenia Versicherungen in Wuppertal“ wird auf dem Gelände der Versicherung ein neuer Baukörper errichtet. Das Haus 1 und das Parkhaus werden abgebrochen, das Haus 3 sowie das Parkhaus 2 bleiben erhalten. Der neue Baukörper wird zum Teil an Stelle von Haus 1 errichtet, das Haus 3 wird zum Teil vom neuen Haus überbaut. So nüchtern liest sich die Ausschreibung. Im Wesentlichen stellt sich der Neubau als Stahlbeton- bzw. Stahlskelettkonstruktion mit aussteifenden Stahlbetonkernen in Form von Treppenhäusern und Aufzugschächten dar. Und der Überbau des alten, dreigeschossigen Flachbaues ist in seiner statischen Grundkonzeption ein Stahlskelett, das in der Folge eine etwas außergewöhnliche Deckenschalung notwendig machte.

Die Decke bestimmt den Bauablauf

Das Stahlskelett überbaut die drei Geschosse des mit einem Flachdach versehenen alten Verwaltungsbaues mit vier zusätzlichen Geschossen auf eine Länge von rd. 40 m bei einer Breite von rd. 17 m. Im Anschluss schließt bergwärts ein Betonskelett mit den gleichen Abmessungen an, um der neuen Verwaltung noch mehr Raum zu bieten. Hier geben Beton-Fertigteilstützen und Fischbauchförmige Ortbetondecken in konventioneller Bauweise, mit Klappstützen statt Aufhängung, das Pendant zum spektakulären Überbau aus Stahl.
Warum aber diese außergewöhnliche Verbundkonstruktion aus Fischbauchträgern im Stahlskelett und Ortbetondecken? Knackpunkt ist das generelle Belastungsverbot des Altbaues aus statischen Gründen. Aber auch für die Fischbauchträger war eine Maximalbelastung vorgegeben, die nicht überschritten werden durfte. Also konnten auch keine Zwischenböden für eine herkömmlich unterstützte Deckenschalung aufgelagert werden. Es blieb nur die Möglichkeit einer hängenden Konstruktion: Die Schalung also unter die Fischbauchträger gehängt und über einen Trägerrost nach oben „gebunden“ –  so einfach hört es sich im Stenogramm an!

Am NOE Combi 20 Träger hängen Decke und Verantwortung

Im Stahlskelett stellen Fischbauchträger mit einer Spannweite von rd. 16 m und einer Überhöhung von 6 cm den Verbund mit der Ortbetondecke her und steifen gleichzeitig das Stahlskelett über die Ortbetonkerne aus; durch die seitlichen Öffnungen des Stahlskeletts werden mit einer Umsetzgabel die Schalelemente eingefahren. Ein unter den Fischbauchträgern mit Spannankern abgehängter Trägerrost nimmt die Schaltische auf. Rand- und Mitteltische übernehmen die Hauptlasten, direkt vor den Stahl-Vertikalen positionierte Ein- respektive Ausschaltische ergänzen den Querschnitt. Die Ein-/Ausschaltische werden zuerst positioniert, dann die Mittel- und Randtische eingeschoben. Ausgeschalt wird in umgekehrter Reihenfolge. Teflonlager auf dem Trägerrost ermöglichen das leichte Verschieben der bis zu 1,2 t schweren Schaleinheiten. Um den Tischen eine Führung zu geben und auch theoretisch jedes Verrutschen auszuschließen, kam die verstellbare Zugspindel aus der Aufzugsschachtschalung zum Zug, pro Tisch und Seite je eine Spindel.
Pro Tisch sind es fünf Querträger, die über Ankerstäbe die „Fahrbahn“ für die Schaltische nach oben hängen. Paarweise nehmen über den Fischbauträgern die quer zur Trägerachse auf dem Obergurt liegenden NOE Combi 20 Träger die Lasten über die Ankerstäbe auf. Um die bauchige Form der Schalung (r = 49 m), die in den Auflagerbereichen gegen Null ausläuft, auf den Millimeter genau hinzubekommen, ließ man sowohl die Form gebenden Spanten als auch die Schalhaut von einem Spezialbetrieb, der Enders-Schaltechnik im thüringischen Königsee, auf CNC-gesteuerten Fräsen zuschneiden und schickte die Schalungskisten solchermaßen vormontiert auf die Baustelle, wo sie mit den Schaltischen zu fertigen Schaleinheiten (rd. 7,23 m x 3,0 m) verbunden wurden.
Zum Ausschalen werden die Spannanker abgespindelt, so dass die Tische vom Beton freikommen und anschließend nach außen gezogen werden können. Auf den Teflon-Lagern lassen sich die Schaltische ganz einfach von Hand auf ihrer Verschubbahn nach außen bewegen, um dann vom Kran per Umsetzgabel aufgenommen zu werden. Und darüber waren sich die Verantwortlichen, Niederlassungsleiter Dipl.-Ing. Volker Machalett für die Idee und Dipl.-Ing. Dietmar Kieß für die technische Ausarbeitung, schon in der Planungsphase einig: Mit ganz geringen Ausnahmen, z. B. die Teflonplatten (PTFE), kommen auch für diese Deckenschalung nur mietbare Standardteile aus dem NOE Baukasten zum Einsatz.
Mit dieser genau so intelligenten wie pfiffigen Deckenschalung lässt sich ein partielles Problem des Bauvorhabens „Erweiterung, Umbau und Sanierung der Hauptverwaltung Barmenia Versicherungen in Wuppertal“ auf elegante Weise lösen. In nur 13 Arbeitstagen stellt die Köster-Truppe unter der Leitung von Bauleiter Dipl.-Ing. Bert-Jan Wullink und den Polieren Stefan Arndt und Heinz-Josef Karrasch ein Geschoss mit knapp 1.300 m² fertig. Die reine Schalzeit für die Decke liegt trotz dieser Sonderkonstruktion bei ca. 0,25 bis 0,30 h/m², in nur 3,5 Tagen ist die ganze Decke eingeschalt. Bis ca. Juni 2005 soll dieser erste und wichtigste Bauabschnitt im Rohbau fertig sein.

Ein unter den Fischbauchträgern mit Spannankern abgehängter Trägerrost nimmt die Schaltische auf, die von beiden Seiten eingefahren werden.

Die Schaleinheiten mit rund 23 m² Schalfläche und einem Gewicht von rd. 1,2 t werden auf dem Trägerrost nach außen gezogen und mittels Umsetzgabel vom Kran aufgenommen.

Zum Ausschalen werden die Spannanker abgespindelt, so dass die Tische vom Beton freikommen und nach außen gezogen werden können.

In nur 13 Arbeitstagen stellt die Köster-Truppe unter der Leitung von Bauleiter Dipl.-Ing. Bert-Jan Wullink und den Polieren Stefan Arndt und Heinz-Josef Karrasch ein Geschoss mit knapp 1.300 m² fertig.

Rund 100 Millionen Euro investiert Barmenia in die neuen Räumlichkeiten. Die Bauzeit für das Gesamtprojekt beträgt ca. 40 Monate.