
Schreitschalung als Weltneuheit beim Bau der „Talbrücke Zahme Gera“
Mit der NOE-Schreitschalung setzt die Adam Hörnig Baugesellschaft beim Bau Y-förmiger Brückenpfeiler eine Weltneuheit ein. Wechselseitig schreiten die Schalungsbühnen in der Schräge nach oben, so dass jeweils ein Teil der Schreitschalung sicher mit dem Bauwerk verbunden ist.
Eine architektonische Besonderheit bietet die „Talbrücke Zahme Gera“ mit ihren Y-förmigen Pfeilern, wie sie in diesen Abmessungen weltweit noch nicht gebaut wurden. Sechs dieser bis zu 60 m hohen Pfeiler tragen die zwei getrennten Überbauten und werden biegesteif an diese angeschlossen. Und speziell für den Bau der unter einem Winkel von 60° aufgehenden Pfeileräste des Ypsilons konstruierten die Schalungstechniker von NOE in Zusammenarbeit mit der Adam Hörnig Baugesellschaft auch eine Weltneuheit - die Schreitschalung.
Die Schreitschalung
Das Konzept dieser Schreitschalung baut auf dem Prinzip des Parallelogramms
auf, in dessen Diagonale Hydraulikzylinder für die Schreitbewegungen,
also fürs Vorwärtskommen sorgen: Ausgehend von der Grundstellung, in
der beide Bühnen auf einer Ebene am Bauwerk verankert sind, wird nach dem Lösen
der Verankerungen durch das Ausfahren der Hydraulikzylinder eine Bühne nach
oben gedrückt und in der neuen Lage wieder am Bauwerk verankert. Mit dem
Einfahren der Hydraulikzylinder zieht sich die zweite Bühne nach oben, um
ebenfalls am Bauwerk verankert zu werden. Es ist also immer eine
Seite des Kletter- bzw. Schreitgerüstes fest mit dem Bauwerk verbunden; ein
nicht unerheblicher Sicherheitsaspekt. Rund eine bis eineinhalb Stunden
dauert ein kompletter Schreitvorgang, der nächste Betoniertakt mit 1,50 m kann
dann mit dem Ausrichten und Einstellen der auf den Bühnen transportierten
Schalung angegangen werden. Auf Gleitschienen ist die geteilte Schalung
horizontal verschiebbar, der Anschluss an den Vorgängertakt logischerweise
problemlos. Über Spindeln läßt sich zusätzlich die Neigung einstellen oder
korrigieren. Der Clou ist außerdem, dass die Spur, die Befestigungsanker an der
Stirnseite des Bauwerkes, immer konstant zur Mittelachse der Pfeiler
verlaufen. Bezugspunkt für die Verstellung der Schalung ist nicht die
Bauwerkskante, sondern die Symmetrieachse der Pfeiler.
Als absolute Neuheit
auf dem Gebiet der selbstkletternden Gerüste haben die NOE
Schalungstechniker die Schreitschalung speziell für den Bau der
Y-förmigen Pfeiler bzw. der Pfeileräste konzipiert; grundsätzlich läßt sich die
Schreitschalung aber auch bei anderen, ähnlich gearteten Bauvorhaben
einsetzen. Jede gängige Kletterschalung wäre für einen Einsatz dieser Art
zu aufwändig und zu schwer in der Konstruktion, d. h. viel zu teuer. Nicht
zuletzt diese Tatsache war für Dipl.-Ing. Fritz Tiarks,
Niederlassungsleiter der Adam Hörnig Baugesellschaft im thüringischen
Weimar, der Grund, sich für NOE und damit für die Schreitschalung zu
entscheiden.
Die Baustelle
Den Forderungen des Natur- und Landschaftsschutzes wurde bei der
Projektierung der A 71 Erfurt – Schweinfurt in besonderer Weise
Rechnung getragen: Überwiegend unter Tage verläuft die
Kammquerung des Thüringer Waldes, sieben Tunnel mit insgesamt
14,8 km und dem Rennsteigtunnel (7,9 km) als längstem
Einzelbauwerk führen die A 71 durch den Berg. Trotzdem kommen noch 132
Brückenbauwerke hinzu, davon 44 große Talbrücken, allein 14
dieser Brücken haben eine Länge von mehr als 500 m. Eine davon ist die Talbrücke
„Zahme Gera“ mit ihren außergewöhnlichen Y-förmigen Pfeilern,
gebaut von der Thüringer Niederlassung der Adam Hörnig Baugesellschaft.
Die Unterstützungsbauwerke wie Widerlager und Y-förmige Pfeiler werden mit
NOE-Schalungen ausgeführt, die zwei getrennten Überbauten sind
als Waagebalken im Freivorbau geplant: Vierfeldrige, längs
vorgespannte und gevoutete Durchlaufträger mit einzelligem
Hohlkastenquerschnitt mit einer gesamten Stützweite von 520 m (115 + 145 + 145
+ 115 m).
Im Bauzustand sind die Pfeiler, gegründet auf
Großbohrpfählen Ø 1,20 m mit Pfahlkopfplatte, abgespannt und durch
Erdanker gesichert. Der Pfeilerschaft ist ein begehbares Hohlprofil,
die Gabeläste werden als Vollquerschnitt massiv ausgeführt. Für den
Pfeiler-Knoten war ebenfalls eine Sonderschalung notwendig: Die gerundeten
Übergänge stirnseitig mit der NOE-Ringgurtschalung, eingestellt
auf einen Radius von 8,0 m; die Seitenschalung aus H-20-Trägerelementen. In
max. sechs Takten schalt man die Pfeilerschäfte mit Schalungshöhen von 5, 40 m;
äußere Sichtschalung als H-20-Trägerschalung, innen eine Rahmenschalung NOE Top
2000, durch Ausgleichshölzer mit der Trägerschalung verspannt. Die Schäfte
verjüngen sich im Verhältnis 70:1, Längs- und Stirnschalung laufen außen
übereinander, so dass man ohne Passelemente auskommt; innen reduziert man
den Querschnitt durch den Einbau kleinerer Elemente aus der Top 2000-Reihe.
Den sicheren Arbeitsplatz garantieren NOE Arbeitsbühnen AB 300 mit Außenecken.
Mit der Schreitschalung geht es ab der Gabelung in Richtung Überbau.
Zwei Normaltakte pro Woche und Ast, vier Takte insgesamt, sind auf dieser
Baustelle die Regel; mit zwei Schreitschalungen wird parallel geklettert
und wechselseitig betoniert, um den Y-Pfeiler im Gleichgewicht zu halten.
Verspannungen in den Drittelspunkten der auseinander laufenden Äste
verhindern übergroße Biegespannungen im Bauzustand, bevor die
Äste dann in den Überbau einbinden. Die Astbreite verjüngt sich von der Gabelung
bis zum Astende von 2,50 m auf 2,00 m. Bis unter den Überbau sind es
jeweils 13 Abschnitte mit Takten von 1,50 m, die jeweils mit 8 Mann, vier auf
jeder Schalung, in ca. 8 bis 9 Wochen zu betonieren sind.
Vormontage war
auch beim Bau der Widerlager angesagt. Die schalungstechnische
Herausforderung liegt sowohl in der schieren Größe als auch in der Neigung
der Vorderseite: „Man kann es sich nicht mehr leisten, auf der Baustelle
das Vorfertigen anzufangen; dafür ist keine Zeit mehr da“, meint Dipl.-Ing.
Fritz Tiarks von der Adam Hörnig Baugesellschaft in Weimar. Mit einer Höhe
von 11,10 m hat man bei NOE die Schalung der Flügelaußenseiten
vormontiert und mit vertikaler Brettschalung belegt; 670 m² wurden
vorgehalten, davon 250 m² vormontiert geliefert.
Baubeginn für die
Talbrücke Zahme Gera, im Rahmen des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit A 71
Erfurt – Schweinfurt der DEGES, war Anfang Dezember 1999, die
voraussichtliche Baufertigstellung ist für den September 2002 geplant.

Weltneuheit: Für den Bau der unter einem Winkel von 60 ° aufgehenden Pfeileräste konstruierten die Schalungstechniker von NOE die Schreitschalung. (Foto: Andreas Beier, Adam Hörnig Baugesellschaft)

Das Konzept der Schreitschalung baut auf dem Prinzip des Parallelogramms auf, in dessen Diagonale Hydraulikzylinder für die Schreitbewegungen sorgen.
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Mit zwei Schreitschalungen wird parallel geklettert und wechselseitig betoniert, um den Y-Pfeiler im Gleichgewicht zu halten. (Foto: Andreas Beier, Adam Hörnig Baugesellschaft)

Auf Gleitschienen ist die geteilte Schalung horizontal verschiebbar, der Anschluss an den Vorgängertakt logischerweise problemlos. Über Spindeln läßt sich zusätzlich die Neigung einstellen oder korrigieren.

Pfeilerschäfte in Sichtbeton mit Schalungshöhen von 5,40 m. Den sicheren Arbeitsplatz garantieren NOE Arbeitsbühnen AB 300 mit Außenecken.